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Samstag, 1. Januar 2011

Gaura lindheimeri - anspruchslose Newcomerin

Filigraner Blütenschleier.
 
Bewertung: 
Noch vor einigen Jahren war Gaura lindheimeri in unseren Breiten eher unbekannt, die Pflanze hat aber inzwischen ungemein an Popularität gewonnen. Wegen ihrer Anspruchslosigkeit ist sie gerade im Bereich der extensiven Pflanzenverwendung aus dem Sortiment nicht mehr wegzudenken. Auch bei der Gestaltung von Staudenbeeten hat sie sich mit ihren zarten Blütenschleiern einen wichtigen Platz erobert.
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Gaura – im  Deutschen  Prachtkerze oder auch Präriekerze genannt – gehört  zur Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae). Innerhalb der Gattung gibt es fünf Arten, von denen jedoch nur die Art lindheimeri Verbreitung gefunden hat. Beheimatet ist die Prachtkerze im Süden Nordamerikas. Dort wächst sie in Prärien und lichten Kiefernwäldern.

Wann genau die Prachtkerze Einzug in die europäische Gärten hielt, ist ungeklärt. Es ist aber zu vermuten, dass die Gaura lindheimeri in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingeführt wurde. In den letzten zehn Jahren hat die Verwendung von Gaura stark zugenommen und die Pflanze hat sich nicht nur ihren Platz unter den Liebhaberstauden erobert, sondern auch im Bereich der extensiven Pflanzenverwendung  Fuss gefasst.

Arten und Sorten

Der Artname lindheimeri geht auf den deutschamerikanischen Exilpolitiker und Botaniker Ferdinand Jakob Lindheimer(1801–1879) zurück (siehe Kasten). Innerhalb der Art Gaura lindheimeri gibt es eine Vielzahl schöner Sorten, wovon im Handel jedoch nur eine relativ kleine Auswahl angeboten wird. Im Allgemeinen haben Prachtkerzen eine sehr lange Blütezeit und eignen sich besonders gut zur Beetgestaltung. Sie erhält sich an Standorten, die ihr zusagen, vorwiegend durch Selbstaussaat. Auch bietet sich die Verwendung von Gaura lindheimeri als einjähriger Pflanzpartner in Sommerblumenbeeten an.

Habitus, Blatt und Blüte

Aus einem am Grunde verholzenden Wurzelstock wachsen zahlreiche Triebe, die teils locker aufrecht, teils bogig überhängend einen bis etwa einen Meterhohen Busch bilden. Die matt graugrünen, lanzettlichen Blätter der Prachtkerze sind bis etwa sieben Zentimeter lang, sommergrün und ganz randig.

Gaura lindheimeri blüht vom späten Frühjahr bis zum ersten Herbstfrost. Die grazilen Einzelblüten sind etwa 3 cm gross und bestehen aus vier zygomorphen Kronblättern. Sie bilden lockere Trauben an den schwach verzweigten, fein behaarten Blütenstängeln. Die Blüten öffnen sich nacheinander und jede Einzelblüte überdauert nur einen Tag. Aufgrund der Vielzahl an Knospen präsentiert sich die Prachtkerze jedoch immer als ein üppig blühender Schleier. Dabei öffnen sich die rosafarbenen Knospen der Art am Morgen, erstrahlen tagsüber in fast reinem Weiss und sind am Abend, kurz vor dem Verblühen, leicht rosa überhaucht.

Die Palette der Blütenfarben reicht von einem reinen Weiss (G. lindheimeri ‘Whirling Butterflies’) über ein Zartrosa (G. lindheimeri ‘Cherry Brandy’) bis hin zu einem dunklen Rosaton (G. lindheimeri ‘Siskiyou Pink’). Je nach Sorte sind die Staubgefässe grünlich gelb oder purpurfarben und unterstreichen mit ihrer Blütenzeichnung den zarten, schmetterlingshaften Charakter von Gaura. Die zarten Blüten sind ferner eine gern besuchte Bienenweide und auch als Schnittblumen geeignet.

Standort und Pflege

Der anspruchslose Dauerblüher gedeiht auf allen humosen, lehmig bis sandigen, mässig nährstoffreichen Böden mit gutem Wasserabzug. Entsprechend ihrer Herkunft bevorzugen die Präriekerzen sonnige Standorte, gedeihen aber auch im lichten Halbschatten. Nur mit Staunässe kommt Gaura nicht zurecht.

Wie bei allen Spätsommer-und Herbstblühern empfiehlt sich ein Rückschnitt im Frühjahr. So sorgen die zarten Halme für schöne Strukturen im winterlichen Garten und bieten Vögeln Schutz und Nahrung. Bei nachlassender Blühwilligkeit und zur Steigerung der Winterhärte kann der Rückschnitt auch Ende August erfolgen. In manchen Lagen ist ein Winterschutz in Form einer Abdeckung mit Reisig oder Laub empfehlenswert. Die Frosthärte liegt bei etwa –15 bis –20 °C.

Unbedingt empfehlenswert ist eine Frühjahrspflanzung. Diese gewährleistet, dass Gaura ausreichend Feinwurzeln bilden kann. Einmal etabliert, gedeiht sie aufs Üppigste und an manchen Stellen wird man gar bemüht sein, ihre Ausbreitung durch Selbstaussaat im Zaum zu halten.

Pflanzenverwendung und Partner

Prachtkerzen sind überaus vielseitig einsetzbar. Gaura lindheimeri eignet sich sowohl für das Sommerblumenbeet als auch für grosszügige naturnahe Pflanzungen mit Präriecharakter und ebenso gut für das Verkehrsbegleitgrün. Sie lässt sich wunderbar mit Gräsern wie Stipa, Calamagrostis, Festuca oder Penni-setum kombinieren, aber auch mit Halbsträuchern und Stauden, die ähnliche Standortbedingungen bevorzugen. So sind Lavendel, Perovskien, Ceratostigma, Astern, Sedum, Stachys, Phlomis, Nepeta, Agastachen, Euphorbien und Verbena ausgezeichnete Pflanzpartner. Schön lässt sich Gaura auch mit Rosen kombinieren und als Kübelpflanze erfreut sie über Monate hinweg mit ihrem zarten Blütenschleier.

Text und Fotos: Hannah Mader, Studentin, Landschaftsarchitektur, D-Nürtingen
 
Fünfzig Pflanzenarten nach Ferdinand Jakob Lindheimer benannt

Mitte des 19. Jahrhunderts beschäftigte sich Lindheimer mit der Flora in Texas und galt dort als der erste wissenschaftliche Pflanzensammler. In den neun Jahren seiner Forschungen sammelte er zu Studienzwecken mehrere Hundert bis dahin unbekannte Pflanzenarten, von denen bis heute rund fünfzig den Artnamen lindheimeri tragen. Die Botaniker George Engelmann und Asa Gray unterstützten Lindheimers Forschungen, archivierten sie und machten seine Entdeckungen publik. In den USA trägt Ferdinand Jakob Lindheimer den Beinamen «The Father ofTexas Botany» (der Vater der texanischen Botanik). Text: H. Mader

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